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Ideenmanagement im Mittelstand

Ideenmanagement im Mittelstand

Letzte Woche gab es eine Diskussion mit meinen Studenten, allesamt berufsbegleitende Studierende: Einer, in einem Handelskonzern tätig, berichtete über seinen Frust über das betriebliche Vorschlagswesen. Einmal sei ein Mitarbeiter bei einer Einsparung von 20.000 Euro mit 50€ abgespeist worden. Eine andere zur Umsetzung freigegebene Idee wurde bei einem Führungswechsel gestrichen, weil der neue Manager die Idee nicht gut fand.

Er würde eine Idee eher in den Gulli werfen als diese noch irgendwo im Unternehmen einzureichen. Damit scheint er mittlerweile zu den 83% (Gallup Studie) zu gehören, die entweder nur Dienst nach Vorschrift machen oder bereits innerlich gekündigt haben, so zumindest meine Einschätzung.

Mir kamen Erinnerungen hoch, als ich 1998 die Einführung eines betrieblichen Vorschlagswesens (BVW) ablehnte. Nicht weil ich die Ideen der Mitarbeiter nicht wertschätzte, im Gegenteil. Mir waren damals die Vorgänge viel zu bürokratisch und ich hatte eine Sorge, die eben durch den Bericht des Studenten wieder hochkam.

 

Ideenmanagement ohne Richtertum und monetäre Orientierung

Ich habe ein positives Menschenbild und glaube nicht, dass es Geld bedarf, um Mitarbeiter zu Innovationen anzuregen. Etliche Diskussionen habe ich mit Managern geführt. Und natürlch habe ich auch Unternehmen kennengelernt, in den meine Ansichten nicht umsetzbar waren. Aber es war letztlich nach meiner Auffassung bereits die Folge von auf einem negativem Menschenbild aufbauenden Führungsverhalten. Für mich ist es eine Art selbst erfüllende Prophezeiung.

Ich lehnte es damals nicht ab, weil ich zu „geizig“ gewesen wäre. Ich glaube eben nicht, dass Geld ein Motivationsmittel ist. Außerdem hatte ich immer das Gefühl, das ein BVW ein Kompensationsmittel für schlechte Führung sei. Ein Austricksen von Hierarchie und ein Misstrauensvotum gegenüber den Vorgesetzten.

Außerdem suche ich ja nicht nur Ideen, die sich monetär bewerten lassen. Was wäre mit Ideen im Bereich Corporate Social Responsibility, Aufbau von Wissenskapital und anderen positive Maßnahmen, die sich nur schwer bewerten lassen?

Also begann ich als Geschäftsführer einer mittelständischen Unternehmensgruppe erstmal andere Maßnahmen umzusetzen

 

  1. Eine Kompetenzentwicklung bei den Führungskräften in partizipativer und wissens- und innovationsfördernder Führung.
  2. Entwicklung hin zu flacheren Hierarchien
  3. Netzwerkbildung und Entwicklung von Methoden des Wissenstransfers
  4. Einführung eines Social Intranets

 

Erfolge konnten wir recht schnell erzielen. Aber auf mein Ideenmanagement musste ich noch einige Jahre warten.

Ideenmanagement mit einer `Wissens-Community´

Was haben wir besonderes gemacht?

Mit dem Social Intranet entwickelte sich eine Plattform, auf der die Mitarbeiter alle unternehmensrelevanten Daten einsehen konnten. Die Mitarbeiter diskutierten aktiv über Foren miteinander, Besprechungen liefen verstärkt virtuell ab, die Reisekosten wurden gesenkt. Und die Mitarbeiter sind zum „virtuellen Fan-Club“ des Unternehmens geworden. Die Erfolgsfaktoren der Entwicklung waren:

  • Überschaubare Kommunikationswege – ein Plus der kleinen Unternehmen
  • Es ging nicht in erster Linie um das Wissen, sondern das Tun – entscheidend ist, dass sich die Zusammenarbeit verbessert
  • Schocks sind heilsam: Wenn sich ein Kunde beschwerte und das der Wissens-Community bekannt wurde, setzte das Motivation frei.
  • Die Teilnahme war freiwillig – von 75% der Mitarbeiter hatten sich schnell aktiv beteiligt
  • Ideen wurden nicht bezahlt – man dachte mit, weil es Spaß machte und den Arbeitsplatz sicherte
  • Budgets für die Verbesserung von Rahmenbedingungen von Arbeit wurden erhöht. Z.B. wurden Mitarbeiter am Arbeitsplatz während der Arbeitszeit und auf Firmenkosten massiert.
  • Transparenz über alle relevanten Daten – das führte dazu, dass Mitarbeiter sofort aktiv wurden, wenn es in einem Bereich kritisch wird.
  • Langer Atem – so etwas funktioniert nicht von heute auf morgen.
  • Permanente Verbesserung – Unternehmen mit funktionierendem Qualitätsmanagement tun sich leichter
  • Es müssen nicht die großen Investitionen sein – erst Köpfchen, dann Geld reinstecken.
  • Mit Wissensmanagement Geld verdienen – wenn es läuft, kann man das know how sogar in Form von Beratung weitergeben.

Und letzteres ist ja nun auch eingetreten mit der Gründung meines Beratungsunternehmens MID.

Ideenmanagement durch geförderte Beratung

Kleine und mittlere Unternehmen, die auch ihre Rahmenbedingungen für ein Ideenmanagement entwickeln wollen, können dies mit bis zu 80% fördern lassen. Denn der Mitarbeiter kann mit seinen Ideen und seinem Wissen den Wert des Unternehmens signifikant steigern. Deshalb heißt das Förderprogramm vun EU und Bund ja auch Unternehmenswert:Mensch.

In den Folgejahren konnten wir unsere Konzepte stets verbessern und zahlreiche Innovationspreise erzielen. Viel wichtiger aber ist, wir konnten den Ertrag mit der gleichen Mannschaft vervielfachen und eine wissensbasierte und innovationsförderliche Kultur entwickeln, in denen Mitarbeiter sich persönlich und monetär entwickeln konnten.

 

Ihr Rainer Weichbrodt

Web Tipp

Ein Teil dieses Blogbeitrags bezieht sich auf einen Beitrag von Martin Pichler in der Zeitschrift Wirtschaft und Weiterbildung:

Ideenmanagement

Martin Pichler: Gutes Ideenmanagement dank `Wissens-Community´, Ausgabe April 2004

Zusammenfassung: hier unter Management Wissen Online

 

 

Publikationen

Weichbrodt, Rainer; Czogalla Yvonne
Wissens-Community als Treiber der Unternehmensentwicklung
in Wissensmanagement – Motivation, Organisation, Integration
Konferenzband zur KnowTech im Oktober 2005, S. 223ff

Fey, Hans-Jürgen; Weichbrodt, Rainer
Sechs Hüte sorgen für frischen Wind im Ideen- und Wissensmanagement
in der Zeitschrift Wissensmanagement, S. 38ff im Januar 2005

Weichbrodt, Rainer

Die Zukunft gestalten mit Lern- und Wissensmanagement
in NET Nr. 10-04 Wissensmanagement – Ein Statusbericht aus Forschung und Praxis, ISBN 3-033-00129-7, S.55ff 2004

Weichbrodt
Unternehmensberater aus Dortmund
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